Was Eltern in Lockdown und On-Off-Quarantäne jetzt brauchen – und was nicht

Schulen und Kitas sind im Corona-Lockdown noch geöffnet, Quarantänen wegen positiver Fälle bleiben aber nicht aus. Ich habe gerade die dritte hinter mir – samt homeschooling, Kita-Kind und Säugling. Meine learnings.

Wenn das Handy spätabends klingelt, heißt das zur Zeit nichts Gutes. Die Nummer gehört jemandem, der um diese Zeit eigentlich nie anrufen würde? Bingo: Da gab es wohl einen positiven Corona-Test im Klassenzimmer oder der Kita. Also: Banges Warten, ob 1.) hoffentlich keine Symptome auftreten und 2.) das Gesundheitsamt den Kontakt zum eigenen Kind als einen ersten oder zweiten Grades einstuft (diese Regeln hat das RKI dazu kürzlich vorgestellt) und es womöglich in Quarantäne muss. Zwar sind wir Eltern davon zwar nicht direkt betroffen, wir dürfen raus und theoretisch normal funktionieren. Tun wir aber nicht.

Eine einzige Quarantäne stellt den Familienalltag schon im gesunden Zustand für alle gehörig auf den Kopf. „Darf ich jetzt wieder nur in den Garten?“ fragt der Siebenjährige, denn ja, im November gibt es dort nicht mal mehr ein Trampolin geschweige denn ein sonniges Plätzchen.

Wie er brauchen auch Eltern jetzt starke Nerven. Denn kaum ist das eine Kind wieder raus aus der Quarantäne, kommt oft schon der nächste Anruf bezüglich Kind zwei oder drei… Und alles geht von vorne los. So war es bei uns zuletzt dreimal hintereinander. Hop-on, hop-off-Quarantäne also. Was jetzt hilft – und was man sich auf jeden Fall sparen sollte.

1. Den Notfallknopf betätigen

..und das ist in diesem Fall die Stummschalten-Funktion der Eltern-Whatsapp-Gruppe. Nicht falsch verstehen: Die Kontakte zu anderen Eltern sind – gerade in dieser Zeit – extrem wichtig und Gold wert. Andere Eltern sind schließlich oft die einzigen, die so manche Not genau nachvollziehen können. Gibt es aber einen positiven Fall im schulischen oder Kita-Umfeld, habe ich bisher vor allem eines aus den Chatgruppen herausgelesen: Panik. Und zwar nicht einmal in erster Linie wegen des Virus. „Die Kinder sollten doch Arbeitsblatt xy für nächste Woche machen, Helena hat es aber garnicht im Schulranzen!? 😱“ Ja, ist doof. Macht aber die Mamas und Papas, die jetzt 14 Tage Job und homeschooling vor sich haben, nicht unbedingt lockerer. Und eines ist sicher: Für solche Problemchen lässt sich noch immer eine Lösung finden. Hauptsache, alle gesund.

2. Familie und enge Freunde informieren

.. und zwar nicht (nur) um sie über mögliche Ansteckungsrisiken zu informieren, falls man Kontakt hatte. Sondern vor allem, um einen Kommunikationskanal herzustellen, der einem noch das ein oder andere Mal die Laune und Motivation retten wird. Es geht nichts über eine beste Freundin, die fragt, wie es läuft, obwohl sie weiß, dass grade garnichts rund läuft. Nichts über eine Nachbarin, die das Einkaufen übernehmen will (PS: Für eine fünfköpfige Familie.). Oder den Freund, der einen zu einer Stunde frischer Luft ohne Kinder überredet – und es ebensolang schafft, nicht über Corona zu reden.

3. Nicht verurteilen!

Mal ehrlich, wer hat Bock darauf, in der Schule des Kindes bekanntgeben zu müssen dass das Kind positiv getestet wurde und jetzt alle KlassenkameradInnen zuhause bleiben müssen? Eben. Keiner steckt sich gerne mit dem Virus an – auch wenn jeder sein persönliches Risiko anders einstufen mag und sich entsprechend unterschiedlich vorsichtig verhält. Das ist bei Familien nicht anders. Während es sich allein mit Baby wunderbar abschotten lässt, fällt es mit mehreren Kindern deutlich schwerer, bei jedem die richtige „rote Linie“ zu ziehen. Darf das Schulkind zum Freund nach Hause, um drinnen zu spielen (argh, Aerosole…), wenn es ihn ohnehin auch in der Schule trifft? Sollte das Kita-Kind auf dem Spielplatz Spielzeuge teilen (ich persönlich kriege es allein emotional nicht hin, nein zu sagen und halte es auch nicht für durchsetzbar…)?

Hat man den persönlichen Corona-Kompass gerade justiert und fühlt sich damit einigermaßen wohl, wird der Hauch Gelassenheit schon wieder von neuen Fakten überrollt. Infektionszahlen hier, Maßnahmen da, von Meinungen ganz zu schweigen. Damit geht jede Familie anders um. Und solange sie damit niemanden leichtfertig gefährdet, müssen wir auch andere Einstellungen aushalten: Die Familie, die sich noch mit wenigen „nicht-zwingend-notwendigen“ Kontakten wie zB Freunden trifft ebenso wie den Vater, der das Indoor-Playdate schon im Spätsommer lieber absagte. Und wenn jemand sich fahrlässig verhält? Ansprechen statt verurteilen. „Entschuldigung, würden Sie bitte zwei Schritte zurücktreten?“ ist allemal besser als ein grimmiges Augenverdrehen und Abstempeln als Corona-Leugner.

4.Vorfreude kultivieren!

Als ich ein Kind war, holte meine Mutter jedes Jahr im Dezember dieses zerfledderte Weihnachtsbuch aus einer Kiste. Ich kann mich bis heute an die Bilder von Sankt Martin, Nikolaussocken und eingeschneiten Kirchen darin erinnern. Dann fiel es mir kürzlich in die Hände.

Kindheitserinnerung pur: Die Seiten liegen zwar mittlerweile lose im Buch, die Erinnerungen daran aber sind unzerrüttbar.

Jetzt liegt es neben dem Adventskranz, der Umschlag hundertfach mit Tesa repariert, die Seiten lose. Und dennoch steht es wie nichts anderes in diesem schwierigen Jahr für die schönste aller Freuden: Die Vorfreude. Und es erinnert uns daran, dass die schönen Dinge, Gemeinschaft, Singen, Feste feiern, wiederkommen werden.

5. Wichtiges: jetzt! Dringendes? SPÄTER.

Klingt falschrum? Eigentlich schon, aber besondere Zeiten erfordern besondere Tricks 🙂 Denn Dringliches, das uns stresst, gibt es jederzeit genug. Das Kind braucht noch einen Zahnarzttermin, das Auto den nächsten Check-Up, die Kollegin das Protokoll der Online-Konferenz. Alles unausweichlich wichtig. Wirklich? Zeitmanagement-Experten schreiben oft von der tatsächlich WICHTIGEN Unterscheidung von wichtig und dringlich. Was wir als wichtig empfinden wie Gesundheit, Wohlbefinden, soziale Beziehungen, stellen wir interessanterweise aber gern hinten an, nach dem Zahnarzttermin und dem Mailing. Gerade jetzt, da wir Erholung so nötig haben und sie gleichzeitig so ungreifbar erscheint, sollten wir zumindest diese Verhältnisse geraderücken, wann immer es geht. Statt den Zahnarzt erstmal die Oma anrufen. Oder die Kollegin in Corona-Quarantäne. Oder raus auf einen Spaziergang mit der Freundin, die bald Mutter wird – und sich von ihrer Vorfreude anstecken lassen. Die to dos? Am besten aufschreiben, wie immer. Nur für das Abhaken sollten wir uns erlauben, was wir doch seit Monaten so gut trainiert haben: Geduld und Zuversicht.

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